Green New Deal: eine Chance für innovative Technologien und Industrie

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Der VDMA begrüßt den Kommissionsvorschlag für einen Green New Deal. Dies ist ein ermutigender erster Schritt auf dem Weg zur Erreichung der EU-Klimaziele, der die Industriepolitik wieder auf die Tagesordnung der Europäischen Kommission setzt. Frau von der Leyen hat gezeigt, dass ihre Grüne Agenda mehr ist als ein Wahlkampagne ist und bereit ist zu handeln.

Industrielle Strategie für Wachstum und Innovation

Die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie ist ein willkommener Schlüsselfaktor im Rahmen des Europäischen Green Deals der Kommission. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Übergang zu einer klimaneutralen und zirkulären Wirtschaft ist der weit verbreitete Einsatz innovativer Technologien. Der Maschinenbau verfügt über viele Technologien, die Lösungen für aktuelle Herausforderungen auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele der Kommission bieten können.

"Unsere Branche sieht in diesem Green New Deal eine ideale Gelegenheit, eine harmonisierte, marktorientierte und technologieneutrale Lösung zu schaffen und gleichzeitig Industrie und Arbeitsplätze in Europa zu erhalten", sagt Matthias Zelinger, Leiter des Fachverbandes Power Systems des VDMA.

Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg können Hand in Hand gehen, wenn Hindernisse für den Einsatz und Investitionen in kohlenstoffarme Technologien beseitigt werden. Ein klarer und zuverlässiger Rahmen wird es der Industrie ermöglichen, die für den Übergang erforderlichen langfristigen Investitionen zu tätigen.  

CO2-Bepreisung

Um den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erfolgreich zu gestalten, ist es unerlässlich, technologieneutrale, marktbasierte Anreize zu setzen. Die Betonung der Koordinierung zwischen den verschiedenen marktbasierten Preismechanismen durch die Kommission ist von entscheidender Bedeutung, um doppelte Preise und widersprüchliche Maßnahmen zu vermeiden. Die Absicht der Kommission, die Energiesteuerrichtlinie zu überarbeiten, ist eine willkommene sektorübergreifende Maßnahme zur Preisgestaltung von Kohlenstoff. Bisher spiegelt sich der klimaschädliche Charakter von Energieträgern ausschließlich im CO2-Preis im Rahmen des EU-ETS wider: Die aktuellen Energiesteuerraten berücksichtigen weder den Energiegehalt noch die CO2-Intensität der Energieträger. Eine Überarbeitung der Richtlinie würde einen Anreiz für Investitionen in emissionsarme Lösungen schaffen.

Kreislaufwirtschaft

Unser heutiges wirtschaften basiert auf einem linearen Modell und hängt von der Gewinnung neuer Materialien, deren Verwendung und Entsorgung am Ende ihres Lebenszyklus ab. Weniger als 12% des EU-weiten Materialbedarfs wird heute von recycelten Materialien gedeckt. Das angekündigte neue Kreislaufwirtschaftspaket, im Rahmen des Green Deal, bietet die Möglichkeit, nicht nur die Markteinführung umweltschädlicher Produkte in der EU zu verhindern, sondern auch Geschäftsmodelle unter der Kreislaufwirtschaft zu fördern. Veränderte Produkt- und Produktionsanforderungen erfordern technologische Lösungen des Maschinenbaus, daher ist die Fokussierung auf nachhaltige Produkte im Rahmen des Green Deals eine Chance.

Vor der Anwendung direkter Produktregulierung muss jedoch eine Bewertung der Materialeffizienzaspekte in einem ganzheitlichen Ansatz erfolgen. So wirken sich beispielsweise Designanforderungen in Bezug auf die Materialeffizienz stark auf die Designentscheidungen aus und können zu einem hohen Standardisierungsgrad führen, was die technologischen Möglichkeiten erheblich reduziert. Vorgaben zu mehr Standardisierung müssen sicherstellen, dass Marktchancen für Differenzierungen erhalten bleiben. Dies ist vor allem in neuen Märkten von Bedeutung, wo z.B. Reparaturdienstleistungen auf Basis von Predictive Maintenance umgesetzt werden. Umso wichtiger ist es daher, dass das Grundprinzip der Technologieneutralität gewahrt wird.

 

Nächste Schritte

Der Green New Deal bietet der Maschinenbauindustrie die Möglichkeit, neue Wertschöpfungsketten zu schaffen und die EU-Exporte von klimafreundlichen Lösungen zu steigern. Es ist die Aufgabe der EU, dafür zu sorgen, dass der Übergang rechtzeitig, wirtschaftlich tragfähig und effizient sowie marktgerecht zum Nutzen aller europäischen Bürger und Industrien und im Einklang mit den Klimazielen der EU erfolgt. Es wird erwartet, dass der Europäische Rat diese Verpflichtung bekräftigt, um den Klimaambitionen der Kommission in den nächsten Tagen zu entsprechen.

Darüber hinaus haben sich der Europäische Rat und das Europäische Parlament jüngst auf einen Kompromiss zur EU-Taxonomie, die eine einheitliche Klassifizierung nachhatliger Investitionen regeln soll, geeinigt.